3. Tag: Ausflug nach Alt-Hurghada & Abendshow


Für den heutigen Tag stand ein Ausflug auf dem Programm. Denn so ganz ohne Kultur wollten wir Ägypten dann doch nicht wieder verlassen und so entschieden wir uns für einen kleinen Schnupper-Ausflug in die Altstadt Hurghadas. Da ich ja am Anreisetag gesehen hatte, dass es hier doch zum Teil noch sehr ursprünglich ist, war ich natürlich neugierig auf mehr.

Bild Diesen Ausflugsvorschlag hatten wir an unserem ersten Tag von ETS erhalten und ihn gestern zwischen unseren Golfrunden beim Reiseleiter gebucht. Viel hatten wir uns eigentlich nicht erwartet, zumal es ein geführter Ausflug werden sollte, doch in Ägypten wollte ich auf eigene Faust nicht herumreisen.

Aber wie eigentlich immer, hatten wir uns auch hier wieder getäuscht und erlebten einen wirklich einzigartigen Ausflug. Lustigerweise war er als Vormittags-Ausflug ausgeschrieben. Dass er letztendlich 8 Stunden dauern würde, konnte niemand ahnen. Jedenfalls wusste ich abends dann, was unser Reiseleiter am Anfang des Ausflugs meinte: Ihr werdet schnell feststellen, dass die Uhren in Ägypten anders ticken …

Vom Hotel abgeholt, lernten wir wenig später unseren Reiseleiter Mohammed kennen. Auf Anhieb waren Toni und er sich sympathisch (klar, wenn man denselben Humor hat ;-)) und schon nach einer Viertelstunde hieß es von Mohammed mit einem Handschlag zu Toni: Du gefällst mir, du bist nett. – Ab diesem Zeitpunkt wich er uns nicht mehr von der Seite.

Wir fuhren zum 1001-Nacht-Hotel in Hurghada, der Treffpunkt, an dem noch weitere Teilnehmer des Ausflugs hinzu kommen sollten. Bis jedoch alle eintrudelten, hatten wir die Gelegenheit, uns das Hotel näher anzusehen. Von Katalogen kannten wir es bereits. Schön war es schon, aber ziemlich kitschig und sehr auf die russischen Gäste abgestimmt. Auf Dauer wäre das nichts für uns, zudem hat man hier mit enormen Fluglärm zu kämpfen.

Bild Als schließlich alle sieben Leute eingetrudelt waren (wir waren also insgesamt zu neunt – eine nette kleine Gruppe), ging es quer durch die Stadt. Mohammed erzählte uns einiges und legte dabei besonderen Wert darauf, unsere Fragen zu beantworten. Er war/ist kein typischer Reiseleiter, der alles herunterleiert und gut ist. Er erzählt auch aus seinem Leben, berichtet über die Sitten und Bräuche der Araber und weiß auf jede Frage eine Antwort. Es war eigentlich eher so, als wären wir bei einem guten Freund eingeladen gewesen, der uns sein Land etwas näher bringt.

Auf dem Weg zur ersten Sehenswürdigkeit kamen wir an den meisten Hotels Hurhgadas vorbei. Das war jetzt wirklich das Hurghada, wie ich es mir immer vorgestellt hatte: Ein Hotel neben dem anderen, eines kitschiger als das andere und Tourismus pur. Wir waren wirklich froh, dass unser Hotel in einer so schönen und ruhigen Gegend lag.

An einer bunten Panorama-Wand vorbei gekommen, die Mohammed uns genauer erläuterte und anschließend auf einen kleinen Aussichtshügel gefahren, erreichten wir ein eher ärmlicheres Viertel der Stadt und schauten dort auf einen Fischmarkt. Hier waren wir nun wirklich mitten im alten Ägypten. Der Fischmarkt war schon ein Original. Für so etwas bin ich ja immer zu haben, aber der hat die bisher Gesehenen alle übertroffen. Alle Fischer waren natürlich stolz auf ihre Ware und jeder holte für uns seinen größten Fisch hervor, wollte fotografiert werden. Hier hielten wir uns lange auf, am liebsten hätte ich auch jedem etwas abgekauft. Aber wohin damit?

Bild Gleich im Anschluss ging es weiter auf eine Werft. Hier wurde gerade an einigen Schiffen gebaut, manche nur renoviert. Überall lagen Nägel herum, Hölzer … Bei uns wäre das gar nicht möglich, einfach so und ohne jeglichen Schutz über eine Baustelle zu laufen. Alle waren fleißig, alle hämmerten fleißig herum, sogar Kinder. Mohammed erklärte uns, dass hier nach Tageslohn gearbeitet wird. Ist man da, bekommt man Geld, ist man nicht da, hat man eben Pech gehabt.

Auch hier freuten sich die Arbeiter sichtlich über neue Gesichter und winkten uns freudig zu.

Weiter ging es anschließend in ein Aquarium, das "größte" Aquarium Hurghadas. Naja. Es hatte zwar nur ca. zehn Becken, aber interessant war es dennoch. Hier konnten wir Haie betrachten, lustige Clownfische und vieles vieles mehr. Sogar die süßen Wasserschildkröten konnten wir entdecken.

Auf unserem weiteren Weg gelangten wir zur ältesten, aber auch schönsten Moschee der Stadt, die Aldahaar Moschee. Zwar durften wir sie nicht betreten, aber immerhin von der Türe aus hinein schauen. Über die Entstehung berichtete der Reiseleiter. Die zwei "Aufpasser" der Moschee waren auch sehr nett und fotografierten für uns teilweise das Innere. ;-)

Bild Auch die koptische Kirche St.-Schinuda-Vater-der-Eremiten im Stadtteil ad-Dahar ist äußerst sehenswert. Mitten in Ägypten eine Kirche vorzufinden, ist schon etwas Besonderes, wie ich finde. Zwar kann man sie überhaupt nicht mit den Kirchen vergleichen, wie man sie bei uns kennt, denn die Einrichtung ist schon sehr spartanisch. Aber es war dennoch sehr interessant, hier durchzuschlendern und die kleinen Schätze zu betrachten.

Nachdem wir die wenigen, aber dennoch sehr interessanten Sehenswürdigkeiten Hurghadas gesehen hatten, ging es zum Mittagessen in ein Fischlokal. Das war vielleicht gut. Erfreulicherweise saßen wir nicht zwischen Reisegruppen, sondern zwischen Einheimischen. Unser kleines Menü umfasste als Vorspeise eine wirklich gute Fischsuppe, als Hauptspeise einen riesigen Teller voll mit gegrilltem Fisch (verschiedene Sorten), Reis, Salat und vieles mehr, dazu Fladenbrot und als Nachspeise gab es noch ein kleines Ananas-Soufflé. Lecker!

Nach dieser Stärkung ging es schließlich wieder weiter und zwar auf den Bazar. Klar, dass man auch noch etwas verkaufen wollte, aber komischerweise wurde einem hier nichts aufgezwängt, sondern man lernte dabei auch noch so einiges. So ging es zunächst in eine Parfümfabrik, wo wir leckeren Tee serviert bekamen und verschiedene Parfüms testen konnten, anschließend in eine Papyrus-Fabrik, wo wir uns für unser afrikanisches Esszimmer sogleich ein neues Bild zulegten (und uns zunächst gar nicht entscheiden konnten), und anschließend auf einen ganz normalen Bazar. Ich fand zwar nicht wirklich was, aber es war trotzdem ganz schön, hier durch zu laufen.

Erst gegen 18 Uhr schlenderten wir wieder aus dem Bazar heraus; der Ausflug war zu Ende. In der Zwischenzeit war es schon dunkel geworden und in nur wenigen Stunden sollten wir erneut abgeholt werden für eine abendliche Show.

So ging's nach kurzer Verabschiedung von Mohammed relativ zügig zurück zum Hotel. Auf der Fahrt klingelte plötzlich das Handy unseres Fahrers und kurz drauf reichte er es uns nach hinten: For you, Mr Weiland. Ich musste lachen. Soso … mein Mann ist also so wichtig, dass er schon über einen Taxifahrer im Urlaub angerufen wird …?! ;-) Doch es war Mohammed, der uns mitteilte, uns heute Abend leider doch nicht mehr treffen zu können, wie er gehofft hatte. Ihm wäre etwas dazwischen gekommen. Ja, schade. Denn ich hätte mich schon noch ganz gerne ein wenig mit ihm unterhalten. Doch da konnte man nichts machen.
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Im Hotel schnell frisch gemacht und umgezogen, ein paar Happen gegessen, und schwups saßen wir schon wieder im Taxi. Das brachte uns erneut in das 1001-Nacht-Hotel in Hurghada, wo eine Laser- und Lichtershow über Ägypten stattfinden sollte. Doch so wunderbar der Tagesausflug war, umso schrecklicher war die abendliche Show. Zunächst eine Stunde akrobatische Reiter angeschaut, folgte dann noch eine Stunde Bauchtanz, wobei die Damen dort bis oben hin zugeknöpft waren. Klar – in diesem Land kann ich es ja auch verstehen. Doch so richtig gepasst hat es nicht. Wir waren schließlich froh, als es wieder zurück ins Hotel ging. Diese Show hätten wir uns sparen können. Aber wer weiß das schon vorher?

Wieder im Hotel, fielen wir völlig erschöpft ins Bett. Das war ein langer Tag gewesen; damit hatten wir anfangs gar nicht gerechnet. Und wir waren froh, die Nachtfahrten überhaupt überlebt zu haben. ;-) Denn witzigerweise wird in Ägypten nur in den äußersten Notfällen mit Licht gefahren! Selbst wenn es stockdunkel ist, wird höchstens Standlicht eingeschaltet und wenn man denn sieht, dass jemand entgegen kommt. Dann aber wird wie wild aufgeblinkt und auf sich aufmerksam gemacht. Und obwohl es auch so etwas wie Autobahnen bzw. Schnellstraßen gibt – das heißt noch lange nicht, dass sich jeder an seine Fahrtrichtung hält. Nicht selten kam es vor, dass uns Autos auf unserer Seite entgegen kamen. Hier fährt wirklich jeder so, wie er gerade will, kreuz und quer. Also selber fahren würde ich in Ägypten wirklich nicht wollen!

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