6. Tag:
St. Petersburg (Tag 2): Stadtbesichtigung auf eigene Faust


Overnight in St. Petersburg. Für uns ein absolutes Muss für eine Ostsee-Kreuzfahrt. Die Stadt hat so viel zu bieten, dass ein einzelner Tag hier gar nicht ausreichen würde. Zumal wir von der Stadt selbst bisher ja kaum etwas gesehen hatten.

Noch beim Frühstück unterhielten wir uns über den gestrigen Tag, der noch immer in uns arbeitete. Wir waren uns einig, dass zwei Paläste an einem Tag fast etwas zu viel des guten sind. Lieber ein Palast und dafür länger - sofern das natürlich seitens der Reedereien angeboten wird (und das ist meist die Schwierigkeit). Ansonsten hatten wir während unserer Fahrten gestern die Stadt lediglich gestriffen und waren in Wohngegenden unterwegs, die uns nun so gar nicht angesprochen hatten. Vom Hafen aus sah man auch nur Plattenbauten und Grau in Grau. Bisher hat uns St. Petersburg selbst noch nicht überzeugt, aber mal abwarten, was es uns heute zu bieten hätte.

Da ich persönlich ja immer lieber auf eigene Faust unterwegs bin, einfach, weil ich meinen eigenen Rhytmus habe und selbst entscheiden möchte, wo ich wann und wie lange was ansehe, war ich vom TUI Cruises angebotenen Ausflug "Freizeit in der Stadt " natürlich sofort angetan. Zwar war er nur mit vier Stunden angegeben, aber besser als nichts.

Toni war von der Idee anfangs nicht sonderlich begeistert. Zum einen, weil er die Befürchtung hatte, in der Stadt nichts lesen zu können; zum anderen begann der Ausflug mit einer Metro-Fahrt, die ihn ebenfalls - aus Sicherheitsgründen - ein wenig abschreckte. Mir war das egal. Notfalls würde ich den Ausflug auch alleine machen, aber schlussendlich galt: Einmal angemeldet, kam er nicht mehr raus.

Weil der Ausflug erst nach Mittag starten sollte, hatten wir nun noch einen recht entspannten Vormittag. Wir schlenderten gemütlich übers Deck, gönnten uns hier ein Eis, später einen Döner, noch etwas später ein kleines Mittagessen, und machten uns dann gegen 13 Uhr zum Treffpunkt im Theater.

Bild Die Einreise heute war ziemlich easy - der Stempel von gestern reichte aus und wir konnten sofort durchgehen. Wir bekamen auch keine Karte oder Bestätigung. Dafür, dass es immer hieß, man dürfe die Gruppen während eines Ausflugs keinesfalls verlassen, wenn man kein "eigenes" Visum hat, sondern nur eines über das Schiff, war das jetzt doch interessant.

Wir machten uns auf den Weg zu den bestimmt dreißig Ausflugsbussen und wen, glaubt Ihr, treffen wir da an? Marina! Was für ein schöner Zufall, dass wir ausgerechnet sie heute wieder als Reiseleiterin hatten.

Mit dem Bus ging es nun erst einmal ein paar Kilometer zur nächsten Metro-Station. Marina klärte uns über das Metro-System auf, verteilte die Münzen dafür und gab Stadtpläne aus, damit wir uns später in der Stadt zurecht finden konnten.

Die Metro in St. Petersburg ist nicht nur eines der tiefstgelegenen U-Bahn-Systeme der Welt (über 102 Meter tief), sondern auch eine der architektonisch schönsten. 1955 eröffnet, gibt es aktuell 67 Stationen auf insgesamt 113,6 km Streckenlänge und fünf Linien. Eine Fahrt kostet 45 Rubel (ca. 70 Cent), es gibt aber auch Zeit- und Mehrfahrkarten.

Start unserer kurzen Metro-Fahrt war die Station Primorskaya. Ohne Jeton/Fahrkarte kommt man erst gar nicht zu den Bahnsteigen, was ich sehr angenehm empfand. Beeindruckend ist die endlos lang wirkende und ziemlich steile Rolltreppe. So etwas hab ich ja noch nie gesehen. Besonders langsam ist man damit auch nicht unterwegs, da weht schon ein kleines Lüftchen.

Auch über die Sauberkeit staunte ich nicht schlecht. Weder Papier noch Zigarettenstummel noch Kaugummi waren hier zu sehen ... so etwas kennt man gar nicht mehr. Und die Metro selbst tip top in Ordnung, keine Schmierereien, keine abgewetzten Sitze. So als hätte man sie erst vor einer Stunde in Betrieb genommen. Unglaublich. Damit hatte ich in St. Petersburg tatsächlich nicht gerechnet.

Bild Zwei Stationen gefahren, verließen wir die Metro an der Gostiny Dvor wieder. Nun ging es die endlos lange und vor allem sehr steile Rolltreppe wieder nach oben, wenig später standen wir direkt vor dem Einkaufszentrum Gostniy Dvor am Newski-Prospekt.

Die 4,5 km lange Hauptstraße von St. Petersburg wartet mit zahlreichen Adelspalästen, Sehenswürdigkeiten sowie Cafés und Bars auf. Und schon vom ersten Moment an war ich überwältigt von dieser Stadt. Bunte Häuserfassaden, alles sah so neu und vor allem gepflegt aus; die Sauberkeit spiegelte sich auch auf den Straßen wider.

Bild Mit Marina ging es jetzt erst einmal zum Michajlow-Park, in dessen Mitte ein Denkmal Puschkins zu sehen ist. Hier gegenüber, beim "Arts Square Gift Shop" war unser Treffpunkt für nach unserem Rundgang. Noch schnell die Uhrzeit abgestimmt, machten wir uns dann auch schon auf den Weg. Keine Zeit verlieren; St. Petersburg ist groß und ich wollte möglichst viel davon sehen.

Dank des Stadtplans, den wir von Marina erhalten hatten, fanden wir uns auch sehr gut zurecht. Bereits im Bus hatten wir uns eine kleine Tour zusammengestellt. Ein straffes Programm, aber machbar.

Einmal die Italyanskaya bis zum Ende entlang gelaufen, dann nach rechts abgebogen, spazierten wir nun am Gribojedow-Kanal entlang und erkannten schon von weitem die glänzenden Türme der Blutskirche. Auf dem Weg dorthin reihen sich zahlreiche Marktstände aneinander, an denen vorzugsweise Matrjoschkas und Ikonen verkauft werden.

Mit den bunten Zwiebeltürmen gleicht die Blutskirche (Erlöserkirche) der Basiliuskathedrale auf dem Roten Platz in Moskau und ist ein regelrechter Besuchermagnet. Für mich das mit Abstand schönste Objekt der Stadt. Die bunten Türme, das Glitzern, die Form an sich ... einfach unglaublich beeindruckend und mit dem strahlend blauen Himmel im Hintergrund natürlich DAS Fotomotiv schlechthin.

Bild Die Christi-Auferstehungskirche wurde zum Andenken Kaiser Alexander II genau an der Stelle errichtet, an welcher er 1881 tödlich verletzt wurde. Sie wurde zwischen 1883 und 1907 erbaut und ist eine der wenigen Kirchen der Stadt im neorussischen Stil.

Einmal um die Kirche herum, überquerten wir die Tsaritsynskiy proyezd sowie die Moika (5 km langer Fluss in St. Petersburg) und erreichten nach einigen Minuten das sog. "Marsfeld" eine ungefähr 12 Hektar große Grünfläche in der Innenstadt. Hier befinden sich zahlreiche Gräber der Gefallenen der russischen Februarrevolution, in erster Linie dient der Park jedoch allen Städtern als Erholungsgebiet. Vor allem heute, am Feiertag, war die Grünfläche voll, es wurde gepicknickt, geschlafen oder sich einfach nur unterhalten. Hier hatte man gar nicht mehr das Gefühl, sich in einer Großstadt aufzuhalten.

Bild Nicht nur des schönen Wetters wegen, sondern vor allem auch wegen des heutigen Feiertags war gefühlt die gesamte Stadt auf den Beinen. Erst gestern hatten wir erfahren, dass heute in St. Petersburg der "Tag der Marine" stattfinden würde, an dem rund 40 Luftwaffeneinheiten sowie 50 Kriegsschiffe und U-Boote teilnehmen sollten. Auch Wladimir Putin war zu Gast und nahm persönlich die bisher größte Marine-Parade des Landes ab. Gesehen hatten wir ihn nicht, auch die Parade selbst war schon vorbei, als wir an der Neva ankamen, doch die Kriegsschiffe und U-Boote selbst lagen natürlich noch in der Newa. Ich bin zwar absolut kein Fan von Kriegsschiffen, muss aber zugeben, dass sie schön anzusehen waren.

Überhaupt war die Stadt an allen Ecken und Enden schön geschmückt, auf Troitskiy Brücke wehten Flaggen in allen Farben und alle paar Straßen fanden kleinere oder größere Musik-Events statt.

Bild Ab hier waren unglaubliche Menschenmassen unterwegs, wie ich sie noch nie im Leben gesehen hatte! Wir reihten uns in die Masse ein und ließen uns einfach von ihnen voran treiben. Die Ampeln waren vor lauter Menschen gar nicht mehr zu sehen. Irgendwann ging man einfach im Strom mit; wird schon passen. Erstaunlich, dass mich das alles in keinster Weise gestresst hat. Eigentlich meide ich solchen Menschenansammlungen und werde schnell nervös. Aber hier fühlte ich mich zu keiner Zeit unwohl oder ängstlich.

Wir spazierten einige Zeit die Palace Embankment entlang und genossen dabei tolle Ausblicke auf die Newa, die zahlreichen Schiffe davor sowie den Blick auf die Peter & Paul Festung mit der 122 m hohen, vergoldeten Nadelspitze des Kathedralenturms. Die Festung befindet sich auf einer kleinen Insel, durch zwei Brücken mit dem "Festland" verbunden.

Unglaublich beeindruckend bereits von der Newa-Seite ist die Eremitage. Das im Auftrag der Zarin Elisabeth entstandene Gebäude beherbergt mehr als 1000 Räume, darunter riesige Säle mit vergoldeten Säulen, aufwändige Deckenmalereien und beeindruckende Lüster. Hier wechselten wir die Straßenseite, um das Gebäude in seiner vollen Pracht bestaunen zu können. Gar nicht so einfach bei der Länge.

Bild Wir verließen die breite Promenaden-Straße und bogen direkt am Winter Palast in die Dvortsovyy ein. Die Newa ließen wir hinter uns und spazierten nun wieder in den Stadtkern, durchquerten dabei einen weiteren Stadtpark, welcher ebenfalls von zahlreichen Menschen gefüllt war. Durch die Bäume blitzte uns bereits von Weitem die goldene Kuppel der Isaakskathedrale entgegen. Sie ist die größte Kirche der Stadt und einer der größten sakralen Kuppelbauten der Welt. 111 Meter lang, 97 breit und 101,50 Meter hoch bietet sie Platz für rund 10.000 Menschen. Der Durchmesser der Kuppel beträgt rund 26 Meter.

Auf die Besichtigung verzichteten wir und liefen stattdessen den Newski-Prospekt entlang, alle paar Meter beeindruckende Gebäude, bis wir wieder den Winterpalast - dieses Mal von der anderen Seite - erreichten. Auf dem Schlossplatz direkt davor mit der in der Mitte stehenden Alexandersäule war eine große Bühne aufgebaut, ein Teil davon war abgesperrt. Hier fand gerade ein Konzert einer russischen - uns unbekannten - Sängerin statt.

Wenige Meter dahinter waren einige Panzer und Militärfahrzeuge ausgestellt, die man sich auch gerne von nächster Nähe ansehen durfte.

Bild Die großzügigen Plätze und Parks der Stadt beeindruckten mich. Auch diese Ruhe und Fröhlichkeit, die hier herrschte. Trotz des Tumults, der auch hier auf dem Schlossplatz herrschte, verlief alles ruhig und angenehm, es gab kein Gedränge, kein Geschiebe. Sehr angenehm.

Hier wäre ich gerne noch etwas länger geblieben, doch der Blick auf die Uhr riet uns langsam zur Rückkehr zum Treffpunkt. Zum einen war es noch ein kleines Stück, zum anderen wollte ich ganz gerne noch das ein oder andere Souvenir oder Postkarte kaufen. Also machten wir uns über kleine Seitengassen wieder auf dem Weg zum Newski-Prospekt und von da an immer geradeaus, bis wir schließlich unseren Ausgangspunkt "Arts Square Gift Shop" erreichten. Hier noch ein paar Dinge gekauft, ging es kurze Zeit später dann auch schon wieder zum Hafen zurück. Die Rückfahrt war mit dem Bus weit weniger spektakulär als mit der Metro, aber tatsächlich waren wir auch alle ganz schön müde. Ich glaube, wir waren auch die einzigen, die wirklich so viel herumgelaufen sind und nahezu den gesamten Stadtkern besucht hatten. Die meisten anderen Gäste hatten dagegen zahlreiche Shoppingtüten in der Hand. Mal ehrlich ... wenn ich schon einmal in so einer beeindruckenden Stadt bin, vergeude ich sie doch nicht mit nur Shoppen - da will man doch auch etwas davon sehen?! Naja, egal. Jedem das seine ...

Beim Auslaufen um 19 Uhr trafen wir schließlich wieder auf einen Teil unserer Gruppe und jeder erzählte über das heute erlebte. Alle Mitreisenden waren begeistert von ihren Ausflügen, die Augen strahlten. So soll es sein!

Zum Abendessen wählten wir heute mal wieder das Atlantik Mediterran, im Anschluss besuchten wir die Show "Varieté - Die Show der Artisten". Selten so eine geniale Show gesehen! Ein lustiger Clown mit viel Charme und Witz, beeindruckende Akrobatik des Showensembles. Einfach atemberaubend schön! Toni hatte diese Show bereits auf der "Mein Schiff 3" im Orient gesehen und mir bereits damals vorgeschwärmt. Er hatte nicht zu viel versprochen, es war wirklich ein Erlebnis.

Den restlichen Abend ließen wir wie gewohnt in der "Schau Bar" bei dem ein oder anderen Glas Wein oder Cocktail ausklingen.

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Fotoalbum St. Petersburg im Juli 2017


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